Wirtschaftsprofil
Was den Ingenieurbedarf im Saarland prägt
Die Wirtschaft des Saarlandes ruht auf zwei industriellen Säulen und einer dritten, die erst in den vergangenen Jahrzehnten dazukam. Die erste ist der Stahl: Roheisen wird erschmolzen und im Strang vergossen, in den Walzwerken entstehen Grobblech, Walzdraht, Stabstahl und Halbzeug, danach bringen Gießereien und Schmieden den Werkstoff bis zum fertigen Bauteil. Die zweite ist eine breite Zulieferkette der Fahrzeugindustrie, in der Antriebe, Getriebe, Lager und Fahrzeugelektronik entstehen und Presswerk, Montage und Prüftechnik eigene Ingenieurdisziplinen bündeln. Die dritte bilden Hochschulen und Institute für Informatik, Cybersicherheit und maschinelles Lernen, deren Ergebnisse über Ausgründungen in die Betriebe gelangen. Aufeinander treffen die Welten dort, wo eine alte Fertigung neue Steuerungen bekommt.
Der industrielle Umbau ist im Saarland kein neues Thema. Mit dem Ende des Steinkohlebergbaus verlor die alte Saarwirtschaft ihre Grundlage, und die Stahlerzeugung an der Saar bereitet inzwischen den nächsten Übergang vor, weg vom Hochofen und hin zu strombasierten Verfahren mit Direktreduktion und Elektrolichtbogenofen. Für Ingenieurinnen und Ingenieure heißt das, Verfahren neu auszulegen, Genehmigungen zu erwirken, Anlagen zu bauen und den alten Betrieb daneben instand zu halten. Der zweite Weg führt in Automatisierung, Steuerungstechnik, eingebettete Systeme und Softwareentwicklung, häufig an der Schnittstelle zwischen Institut und Industriebetrieb. Von der Landeshauptstadt aus ist kein größerer Industriestandort des Landes weiter als eine Autostunde entfernt, weshalb ein Wechsel zwischen beiden Wegen hier selten einen Umzug bedeutet.


















